FALCOS VATER Alois Hölzel, 70, gewährte NEWS das einzige Gespräch. Seine ganz persönlichen Erinnerungen an den Sohn: die erste Gitarre, der erste Hit, Schulabbruch und Drogenangst.
Als sein Sohn begraben wurde, saß Alois Hölzel unerkannt neben seiner medienpräsenten Exgattin.Damals, nach Falcos Tod am 6.Frebruar, hatten ihn deutsche Buntblätter als Erbschleicher und Rabenvater geoutet: Alois Hölzel hat 1966 die Frau und den neunjährigen Sohn verlassen. Es war eine Trennung wie viele, ohne Haß, mit gutem Verhätnis zum Sohn. Dennoch schwieg Alois Hölzel. "Mein Sohn war der Star, nicht ich", sagt er.
Nun, in der Distanz eines Dreivierteljahres, entschließt er sich zum ersten großen Interview. Weniger, um die Dinge in eigener Sache zurechtzurücken, als um sich zu erinnern. Und so vielleicht ein authentischeres Denkmal herzustellen als den Drei-Meter-Obelisken, den Falco-Spezi und Duty-Free-Pate Ronnie Seunig auf dem Zentralfriedhof plant
(die Genehmigung steht noch aus).Die Wahrheit. "Ich hab' ihn nur deshalb bei der Mutter gelassen, weil ich nicht wollte, daß der Kleine hin und her geschupft wird." Der Vater spielte Fußball mit dem kleinen Hans, zahlte Unterhalt, kaufte dem Sohn die erste Gitarre.
Der revanchierte sich mit Aufmerksamkeiten, später Geschenken (Gemälde, Urlaub) oder Geld.Das der Vater gut brauchen konnte.
Alois Hölzel - ein korrekter, weicher, harmoniebedachter Mann - war alles andere als wohlhabend und erarbeitete sich durch eiserne Sparsamkeit leidlichen Wohlstand (er begann als Maschinenschlosser, schaffte es bis zum kleinen Betrieb).
Falcos Karriere war ihm nie recht: "Es hat mit Schulschwänzen begonnen und mit dem Schulabbruch in der fünften Klasse Gymnasium geendet. Wenn ich mir damals seine neuen Freunde angeschaut hab, ist mir ganz anders geworden. Ich hatte Angst, daß er eines Tages wegen Hasch in der Zeitung steht. Aber er hat mich beruhigt: "Papa, ich hab das Zeug zwar probiert. Aber es gibt mir nix." Vielleicht wollte ich es ihm einfach glauben."
Auch Alkohol war stets ein Streitpunkt:"Wenn er getrunken hatte, war er unerträglich! Es war mir peinlich, wie er mit Fotografen oder seinem Manager umgesprungen ist. Wenn ich ihn ermahnt hab, hat er nur g'sagt:"Die erwarten nix anderes.""Diagnosen.Die musikalische Karriere hat den Vater eher mit Mißtrauen als mit Stolz erfüllt: "Er hat mir stolz seine erste, noch selbstfinanzierte Platte geschenkt. Ich war entsetzt, daß er sein Geld für solche Dinge rausschmeißt." Ein Konzert in der Stadthalle quittierte Alois Hölzel mit den Worten:"Der ärgste Lärm seit dem Zweiten Weltkrieg!"
Falco stellte dem alten Herrn seine Frauen vor und klagte ihm sein Leid, als sich Tochter Katharina plötzlich als das Kind eines anderen erwies. "Von diesem Schock hat sich mein Sohn nie erholt. Von da an ging es bergab mit ihm. Menschlich und künstlerisch. Nach Isabella war er zu keiner Liebe mehr fähig."Flucht. Der Rückzug in die Dominikanische Republik war Flucht - vor dem finanziellen Chaos, dem Erwartungsdruck, sich selbst: "Der Hans war ein sensibler Mensch, der mit der sinkenden Beliebtheit nicht fertig wurde. In der Ferne war er unglücklich. Er hatte ja schon Heimweh, wenn er bei mir im Waldviertel war.":
Die Lebensmüdigkeit des Sohnes entsetzte den Vater: all die Exzesse und die Todessucht, die aus den Texten sprach. Doch wenn Alois Hölzel "Egoist" im Radio hört, Falcos aktuelle, posthum veröffentlichte Nummer, die sogar in Deutschland auf Nr. vier vorrückte, steigen ihm die Tränen in die Augen: "Dieses Lied erdrückt mich. Das ist mein Sohn."
In der Vorwoche besuchte der Vater Falcos Ehrengrab. Wie viele Blumen, Briefe und Kerzen noch das Grab schmücken! "Die Zuneigung hätte er zu Lebzeiten gebraucht!"Vor zwei Jahren, nach einem Alkohol-Eklat des Sohnes, ist man im Zorn voneinander geschieden. Das quält den Vater heute. So wie die Tatsache, daß er recht behalten hat mit seiner Angst: daß die Karriere Hans Hölzels Leben zerstören werde, weil er zu weich war für diese Welt.